Roswitha Scholz
Zur Aktualität Adornos für die fe­mi­nis­ti­sche Theo­rie
Kritische Theorie, Geschlechterverhältnis und Aufklärungskritik

Adornos Gesellschaftskritik ist im Zuge einer allgemeinen Marxrenaissance wieder in aller Munde. Kritische Theorie war allerdings vor dem „cultural turn“ schon einmal zentraler Ausgangspunkt feministischen Denkens. Vernachlässigt wurde dabei jedoch die Kritik der gesellschaftlichen Formbestimmung; den Bezug bildete vor allem die soziologisch-analytische Dimension. Demgegenüber gilt es heute, die grundlegende Kritik der Wert-Abspaltung, also des Zusammenhangs von allgemeiner Form und Geschlechterverhältnis, im Hinblick auf die Theorie Adornos zu thematisieren. Dabei werden auch Aspekte einer Aufklärungskritik berücksichtigt, die übrigens in der Vor-Gender-Phase des Feminismus ansatzweise bereits vorhanden war, im veränderten Kontext allerdings neu zu formulieren ist.


Karina Korecky
Wo die Liebe zu den Gesetzen im Staate ruht
Über den Zusammenhang von Weiblichkeit und Nation

Die linke Kritik an Staat und Nation glaubt üblicherweise ohne jene des Geschlechts auszukommen. Das Geschlechterverhältnis spielt keine Rolle für die Kritik am Nationalstaat selbst, sondern bleibt der Absatz »zum Thema Frauen«, der in Flugblättern auch noch geschrieben werden muss. Auf der Seite der feministischen Theorie verhält es sich nicht viel anders: wo der Staat überhaupt zum Thema wird, sind Weiblichkeit und Nation so etwas wie »Strukturkategorien« oder auch »Diskurse«, die qua analytischer Trennung nur noch äußerlich aufeinander bezogen werden können.

Stattdessen müsste aber die bürgerliche Gesellschaft als Ganze betrachtet werden. Die Entstehung der Geschlechtscharaktere und jene der Nation gingen Hand in Hand, so viel ist offensichtlich. Bei Rousseau et al sind es die Frauen, in deren Händen »die Liebe zu den Gesetzen im Staate« ruht. Die Gesellschaft der Freien und Gleichen brachte und bringt in ihrem Werdegang ihr Widersprechendes hervor: die Frauen als Differente, die Nationen als bestimmte. Sie sind nicht einmal in die Welt gekommen und gut war, sondern müssen sich permanent neu reproduzieren. Darin setzt sich ihre Entstehung in der Dialektik der Aufklärung fort – Grund genug, den Blick auf die Anfänge bürgerlicher Gesellschaft zu richten. Daran wird sich zeigen, dass die Kritik der Nation feministisch sein sollte und umgekehrt jene von Geschlecht und Liebe nicht ohne Bezugnahme auf den gesellschaftlichen Zusammenhang, der sie hervorbringt, auskommt.


Daniel Späth
Weltgeist und Ideologie
Die in­ne­re Schran­ke der He­gel­schen Dia­lek­tik

Neben Marx prägte wohl kein anderer Philosoph kritische Theoriebildung so grundsätzlich wie Hegel. In den ausführlichen Hegel-Rezeptionen von Theoretikern wie Georg Lukács,V.I. Lenin oder Theodor W. Adorno, um nur einige zu nennen, firmiert der Idealist nicht selten als „Ergänzung“ zu Marx, oder doch zumindest als der erste kritische Exponent der bürgerlichen Aufklärungsphilosophie, an dem kritische Reflexion zu schulen wäre. Und in der Tat scheint im Hegelschen Denken bereits eine kritische Tiefendimension manifest, deren Inhalt lediglich mit anderen Vorzeichen zu versehen, das heißt „vom Kopf auf die Füße“ zu stellen wäre: Denn nicht nur, dass mit Hegel das dialektische Denken in systematischer Form auf die historische Bühne tritt, auch die Tatsache, dass er auf einer Wesens-Erscheinungs-Differenzierung insistiert und in der „Phänomenologie des Geistes“ mit einem Substanzbegriff operiert, signalisiert unmittelbar die Nähe zur Marxschen Theorie. Wenn man und frau sich dann noch vergegenwärtigen, dass Hegel in seinen frühen Schriften den Ausdruck der „abstrakten Arbeit“ prägte, könnte beinahe gemeint werden, Hegel sei „der erste Marxist“ gewesen.
Der erste Teil des Workshops wird sich anhand ausgewählter Textpassagen aus dem Hegelschen Frühwerk (ich meine hiermit jene frühe Phase seines Werkes, die mit der „Phänomenologie des Geistes“ endet) mit dem Ursprung der Hegelschen Dialektik auseinandersetzen, wobei diese genetische Rekonstruktion sich vor allem den ökonomischen Schriften Hegels („System der Sittlichkeit“, „Jenaer Realphilosophie“) zuwenden wird, die als Ergänzung zur Lektüre der „Phänomenologie“ dienen sollen, um den konkreten gesellschaftlichen Hintergrund der dialektischen Bewegung des deutschen Aufklärers darzustellen, wodurch ein Maßstab einer Kritik der Hegelschen Dialektik gewonnen werden wird. Folgende, für eine kritische Theorie zentrale Fragen werden dabei aufgeworfen und hoffentlich auch beantwortet werden:

  • „Abstrakte Arbeit“ bei Hegel: Der Anfang einer materialistischen Fetischkritik oder die intellektuelle Selbstvergewisserung des Geistes über seine gedankliche Tätigkeit?
  • Der Substanzbegriff in der „Phänomenologie“: Kritischer Totalitätsbegriff oder Legitimation des ewigen Geistes?
  • Die dialektische Bewegung bei Hegel: Ansatzpunkt für eine kritische Theorie oder Mystifikation der Dialektik als ontologische Methode?

Die im ersten Teil des Workshops aufgeworfenen Probleme, die im Rahmen einer Strukturanalyse der „Phänomenologie“ heraugearbeitet werden, bleiben als solche abstrakt, da sie mit dem Instrumentarium der Wertkritik eine entscheidende Dimension des Hegelschen Denkens nicht analysieren können. Deshalb wird sich der zweite Teil noch einmal den Hegelschen Frühschriften zuwenden, um auf die ebenso eigenartige wie bezeichnende Tatsache hinzuweisen, dass im „System der Sittlichkeit“ Dialektik in Gestalt einer wechselseitigen Subsumtionslogik auftritt, die Hegelsche Dialektik also bereits in ihren basalen Strukturen androzentrische Denkbewegungen setzt. Die auf einer formlogischen Ebene bereits sexistisch begründete Dialektik Hegels hat ihr inhaltliches Pendant in der Negation von weiblichem Denken und Handeln: Nicht nur, dass der Weltgeist die Bedeutung von Frauen in der Geschichte auf vormodernen, insuffizienten Stufen festschreibt und dadurch diskriminiert, vielmehr betreibt Hegel systematisch die Tilgung jeglicher Spur von Weiblichkeit in der Genese des universalisierenden Geistes: Weiblichkeit wird in der androzentrisch-universalisierenden Bewegung des Geistes „aufgehoben“ und gerade dadurch negiert und zum Verschwinden gebracht. Um einen theoretischen Hintergrund für den Hegelschen Sexismus zu gewinnen, werde ich mich an Heidemarie Bennent und ihre Hegel-Kritik in „Galanterie und Verachtung“ und an Elvira Scheich in ihrer Monographie „Naturbeherrschung und Weiblichkeit“ anlehnen.

Literaturliste für InteressentInnen:
G.W.F. Hegel, Phänomenologie des Geistes, Frankfurt a.M., 1970
G.W.F. Hegel, Frühe politische Systeme, Frankfurt a.M., 1974.

Sekundärliteratur:
Christine Weckwerth, Metaphysik als Phänomenologie. Eine Studie zur Entstehung und Struktur der Hegelschen „Phänomenologie des Geistes“, Würzburg, 2000.
Heidemarie Bennent, Galanterie und Verachtung, New York, 1985.
Elvira Scheich, Naturbeherrschung und Weiblichkeit, Pfaffenweiler 1993.

Es wird in den nächsten Wochen ein Zitate-Blatt erstellt werden, das als Grundlage für den Workshop dienen wird und zum Selbstausdrucken an dieser bereit gestellt wird.


Elmar Flatschart und Georg Gangl
Workshop zum Verhältnis von Gesellschaftskritik und Wissenschaftskritik

Eine der besonderen Eigenschaften des wert-abspaltungskritischen Theorieprojekts war es seit jeher, nicht nur die sinnvollen Momente kritischer Theoriebildung weiterzuführen, sondern auch in der Abgrenzung von problematischen Traditionen deutliche Akzente zu setzen. Abgesehen vom Abspaltungstheorem, welches mit seiner Neuorientierung eines dialektischen Zugangs sicherlich am eindrücklichsten Neuland betreten hat, hat sich die Wert-Abspaltungskritik v.a. auch durch eine fundamentale Aufklärungskritik profiliert, die in ideologiekritischer Hinsicht weit über die Überlegungen zur „Dialektik der Aufklärung“ der „älteren Kritischen Theorie“ hinausgehen.
Nicht umfassend geklärt ist dabei jedoch der Status von moderner Wissenschaftlichkeit als bestimmte Erkenntnispraxis und Methode der gedanklichen Abstraktion: Jedenfalls hat sich die Wissenschaft, wie sie heute betrieben wird und denkbar ist, erst in der Moderne herausgebildet und maßgeblich durch aufklärerisches Gedankengut konsolidiert. In vieler Hinsicht reicht es aber wohl nicht aus, Wissenschaftskritik auf Kritik der aufklärerischen Ideologie zu reduzieren.
In unserer Veranstaltung möchten wir deshalb das Verhältnis von Wissenschaftlichkeit (im Sinne einer Rationalität) und Gesellschaftstheorie (im Sinne emphatischer Kritik) zur Debatte stellen. Wir werden versuchen einige zentrale Aspekte der „gesellschaftskritischen Wissenschaftskritik“ mit den Problemen und Potentialen einer Wissenschaftstheorie auf der Höhe der Zeit zusammenzudenken. Wir verfolgen dabei jedoch nicht das Ziel, eine endgültige Position zu formulieren. Es geht uns vielmehr um die Schärfung der Fragestellungen und die (erneute) Eröffnung der Diskussion. In diesem Sinne wollen wir auch ein diskussionsorientiertes Veranstaltungsformat wählen, das eventuell durch Texte, die bereitgestellt werden, ergänzt wird.


JustIn Monday
Workshop: Warenfetischismus und Erkenntniskritik

Im Gegensatz zur realsozialistischen Orthodoxie, hat ein Großteil der Strömungen des westlichen Marxismus zumindest einmal zustimmend zur Kenntnis genommen, dass mit dem Fetischcharakter der Ware ein Problem verbunden ist. Zu häufig mussten sie irritiert erleben, dass ihnen regelmäßig etwas in die Parade fährt bei ihren Versuchen, nach bestem
Wissen und Gewissen des wissenschaftlichen Sozialismus das ideale Verhältnis von Theorie und Praxis zu bestimmen. Der wissenschaftsimmanente Hang zum positiven Denken hat die meisten dieser Irritationen aber immer wieder zunichte gemacht. Als Resultat zirkuliert die Ahnung, dass der Fetischismus irgendetwas damit zu tun hat, dass die kapitalistischen Verhältnisse als unveränderbar natürliche erscheinen. Weil ihre eigene Theorie aber auf Praxis, also auf Veränderung zielt, glauben die nur kurzfristig Irritierten ihr eigenes Denken schnell wieder aus dem Schneider. Was von Marx als fundamentales erkenntnistheoretisches Problem behandelt wurde, wird so herunter gekocht auf eine Eigenart des naiven Alltagsverstandes, die zwar mehr oder weniger systematisch auftritt, aber durch Berücksichtigung der „Gesellschaftlichkeit“ oder der „gesellschaftlichen Konstruiertheit“ von allem und jedem umgangen werden könne. Hiergegen soll detailliert und
kleinschrittig der erkenntniskritische Gehalt der Wertformanalyse herausgearbeitet werden. Zunächst einmal begrenzt auf die Erfahrungen, die Marx mit den Erkenntnissen der klassischen bürgerlichen Nationalökonomie gemacht hat, die zwar, im Gegensatz zu jenen der linken Akademie „Epoche in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit“ gemacht haben, aber, genau wie diese, „keineswegs den gegenständlichen Schein des gesellschaftlichen Charakters der Arbeit“ verscheucht haben. Ob der Fetischcharakter der Ware sein Geheimnis im weiteren Verlauf der Geschichte bewahrt hat, wird darauf aufbauend zu diskutieren sein.


Anselm Jappe
Zwischen Befreiung und Verklärung. Zum emanzipatorischen Gehalt der antikapitalistischen Romantik

Der Marxismus, in fast all seinen Varianten, hat sich stets als Fortsetzung der Aufklärung verstanden, oder als Verwirklichung der angeblich in ihr enthaltenen, und vom Bürgertum später selbst verratenen, Versprechungen. Damit einher ging ein durchgängig positiver Bezug auf den «Fortschritt», auch im Sinne der Entwicklung der Produktivkräfte. Selbst der Begriff der «Dialektik der Aufklärung» enthielt noch die Vorstellung, die «richtige», nämlich selbstreflexive Aufklärung könne zum Leitstern der Emanzipation werden. Die Wert-Abspaltungskritik hingegen hat auch den inneren Kern der Aufklärung als Verinnerlichung historisch neuer Fetischismusformen bezeichnet. Die Alternative zur Aufklärung sieht die Wertkritik allerdings keineswegs in der «Gegenaufklärung». Mit diesem Begriff sind vor allem romantische und nostalgische Strömunge gemeint, denen unter anderem (z. B. im Schwarzbuch Kapitalismus) der Vorwurf gemacht wird, zu den direkten Vorläufern des Nationalsozialismus zu gehören. Aufklärung und Gegenaufklärung als zwei Pole derselben kapitalistischen Modernität müssten gemeinsam überwunden werden.

Die Frage nach möglichen emanzipatorischen Gehalten der Romantik wird gerade in Deutschland oft brüsk zurückgewiesen und die Romantik auf die regressive Beschwörung einer dumpfen «Gemeinschaft» als reaktionäre Schein-Alternative zum Kapitalismus mit antisemitischen Folgen reduziert. Michael Löwy, international bekannt u. a. durch seine Schriften zum jungen Lukacs, zu Walter Benjamin und zur Theologie der Befreiung, versucht in seinen Büchern Révolte et mélancolie. Le romantisme à contre-courant de la modernité (1992), Esprits de feu. Figures du romantisme anti-capitaliste (2011) und Erlösung und Utopie. Jüdischer Messianismus und libertäres Denken. Eine Wahlverwandschaft (deutsche Übersetzung Karin Kramer Verlag 1997) nachzuweisen, dass die Romantik eine von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis heute anhaltende Kritik des Kapitalismus beinhaltet. Laut Löwys sehr weit gefassten Romantikbegriff ist jede Kritik zumindest teilweise romantisch, die den Kapitalismus aufgrund eines Vergleichs mit vergangen Lebensformen verurteilt. Zwar streitet er die regressiven, reaktionären und präfaschistischen Elemente in manchen Romantikern nicht ab, aber er sieht die utopischen und emanzipatorischen Elemente überwiegen. Auch hält er aufklärerische und romantische Elemente nicht für unvereinbar, wie schon die Schlüsselrolle Rousseaus zeigt. Romantische Elemente macht Löwy auch bei Marx, Rosa Luxemburg und Lukacs aus. Mehr oder weniger ausführlich analysiert er die deutsche Frühromantik (Schlegel, Hoffmann, Novalis etc.), Coleridge, Ruskin und Morris in England, die deutschen Soziologieschule (Weber, Tönnies, Simmel), Bloch, Adorno und Benjamin, die Symbolisten, die Surrealisten, und gelangt bis zu Christa Wolf und den heutigen Ökologiebewegungen. Besonders interessant sind seine Ausführungen zum Zusammenhang von deutscher Romantik und jüdischem messianischen Denken, vor allem in der Weimarer Republik. Nicht nur bei Gustav Landauer, Ernst Toller, Ernst Bloch, Erich Fromm und Lukacs, sondern selbst bei religiösen Denkern wie Martin Buber, Franz Rosenzweig und Gershom Scholem sowie bei Franz Kafka macht Löwy romantischen Antikapitalismus und libertäre Tendenzen aus. Für einen Teil des heutigen deutschen Publikums ist es wahrscheinlich verblüffend, wie unbefangen diese Autoren bei ihrer Suche nach einer anti-bürgerlichen Utopie mit Begriffen wie «Gemeinschaft» und «organisch» hantierten.

Nach einer Zusammenfassung von Löwys Studien sollen ihre Stärken und Schwächen und ihre Relevanz für eine wertkritische Kritik der Moderne betrachtet werden.


Frank Rentschler
Das androzentrische Unbewußte als immanente Grenze des Aufklärungssubjekts
Zum Verhältnis von freudscher Psychoanalyse, feministischer Rezeption und Wertabspaltungskritik

Eine bisher kaum entwickelte Kategorie im Wertababspaltungsansatz ist das „androzentrische Unbewußte“, zu dem es in den einschlägigen Schriften nur vage Andeutungen gibt. Nicht so richtig klar ist, was mit dem Unbewußten gemeint ist, was daran androzentisch ist und wie es theoretisch zu konzeptionalisieren ist. An eben diesen Fragestellungen orientiert sich der Vortrag. Im ersten Teil soll rekonstruiert werden, wo in dem Text „Geschlechterfetischismus“ von Robert Kurz und Roswitha Scholz‘ Buch „Das Geschlecht des Kapitalismus“ der Rekurs auf das Unbewußte auftaucht und welche theoretischen Referenzpunkte in Gestalt psychoanlytischer Theorien benannt werden. Im zweiten Teil soll auf diese Referenzpunkte näher eingegangen werden. Es geht dabei um die psychoanalytische Theorie der Weiblichkeit bei Ulrike Prokop (Referenzpunkt von Kurz) sowie um den objektbeziehungstheoretischen Ansatz von Jessica Benjamin und die Kritik von Mechthild Rumpf daran (Referenzpunkt von Scholz). Dabei werden unterschiedliche Einschätzungen deutlich. Sie betreffen vor allem vier Punkte: den Stellenwert des Ödipuskomplexes und das Verhältnis von präödipaler und ödipaler Phase (1), das Verhaltnis von Triebtheorie und Interaktions/Symboltheorie (2), das Verhältnis von äußerer und innerer Natur (3), sowie Historizität und Kontinuität von Kategorien wie Es, Ich, und Über-Ich (4). Der Streit hierum ist gleichzeitig ein Streit, ob und wie an der Freudschen Theorie angeknüpft werden kann. Um die Positionen besser beurteilen zu können, wird im dritten Teil unter Rekurs auf Günter Gödde eine historische und philosophische Verortung der freudschen Psychoanalyse vorgenommen und die Überlegungen Göddes mit der wertabspaltungskritischen Aufklärungskritik zu verknüpfen versucht. Ausgehend davon soll dann im abschließenden vierten Teil diskutiert werden, was von den referierten psychoanalytischen Ansätzen aus wertabspaltungskritischer Sicht aufgegriffen werden kann, bzw. was verworfen werden muß und welche Richtung weiter zu denken wäre.

Literatur zum Einlesen:
Ulrike Prokop: Weiblicher Lebenszusammenhang. Von der Beschränktheit der Strategien und der Unangemessenheit der Wünsche. Frankfurt 1976 (inbesondere: S. 127-145)
Ulrike Prokop: Die Angst vor der Frau im Zeitalter der Intimität. Zum historischen Kontext der ödipalen Konstellation. In: Busch, Hans Joachim (Hg.): Sprache, Sinn und Unbewußtes, Tübingen 2003, S. 151-220
Jessica Benjamin: Die Fesseln der Liebe. Psychoanalyse, Feminismus und das Problem der Macht. Frankfurt 1990
Jessica Benjamin: Die Antinomien des patriarchalen Denkens. Kritische Theorie und Psychoanalyse. In: Bonß/Honneth (Hg.): Sozialforschung als Kritik. Frankfurt 1982, S. 426-455
Mechthild Rumpf: Spuren des Mütterlichen. Die widersprüchliche Bedutung der Mutterrolle für die männliche Identitätsbildung in kritischer Theorie und feminstischer Wissenschaft. Hannover 1987 (insbesondere S. 53-88)
Günter Gödde: Traditionslinien des „Unbewußten“. Schopenhauer-Nietzsche-Freud. Tübingen 1999 ( insbesondere S.345-383)